Sexuelle Gewalt bei internationalen Begegnungen und Ferienfreizeiten
Köln/Berlin. Die Ausbildung von Mitarbeitenden in der Jugendfreizeitarbeit muss besser werden. Deshalb haben mehrere Organisationen gemeinsam neue Schulungsmaterialien über Sexualität und Prävention erarbeitet. Denn die Themen Sexualität und sexuelle Gewalt fordern bei internationalen Begegnungen, Kinder- und Jugendreisen MultiplikatorInnen und JugendreiseleiterInnen besonders heraus.
Auf der einen Seite entdecken Heranwachsende ihre Sexualität, erproben neue Verhaltensweisen im Umgang mit dem anderen und dem eigenen Geschlecht und üben sich in Beziehungsaufnahme. Dazu bieten Internationalen Begegnungen, Kinder- und Jugendreisen Teilnehmenden eine Plattform. Auf der anderen Seite wurden Eltern sensibilisiert durch die aktuellen Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen der Arbeit mit Kinder und Jugendlichen. Deshalb erwarten sie jetzt ein noch professionelleres und sichereres Handeln der Veranstalter. Nicht zuletzt deshalb sind diese verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass internationale Begegnungen, Kinder- und Jugendreisen "sichere Orte" sind. Dadurch entsteht ein sehr großes Spannungsfeld: zwischen der Förderung und Unterstützung Jugendlicher in ihren Entwicklungsaufgaben auf der einen Seite und dem Jugendschutz und dem Schutz vor sexueller Gewalt sowie möglichen interkulturellen Konflikten aufgrund unterschiedlicher Umgangsweisen mit Sexualität auf der anderen Seite.
Die besondere Herausforderung bei der Behandlung dieser Thematik ist es, die unterschiedlichen Aspekte der Sexualität in die Ausbildung der JugendreiseleiterInnen zu integrieren. Dabei muss es gelingen, den TeamerInnen wichtige Aspekte beider Seiten der Medaille zu vermitteln und ihnen ein praktikables Instrument mit modernen Methoden und aktuellen Inhalten an die Hand zu geben. TeamerInnen sollen die Angst davor verlieren, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen. Sie sollen lernen, sie an geeigneter Stelle bzw. zu gegebenen Anlässen einzubringen.
ReiseleiterInnen sollen neben praktischem Arbeitsmaterial auch Reflexions- und Handlungssicherheit gegeben werden, wie sie mit diesen Herausforderungen bei Internationalen Begegnungen, Kinder- und Jugendreisen umgehen. Dazu hat eine trägerübergreifende Projektgruppe Schulungs- und Arbeitsmaterialien entwickelt.
Im Sommer 2010 soll die entwickelte Schulungsmappe nun in einer Pilotphase erstmals von geschulten Organisationen im Rahmen ihrer Teamerausbildung und in der Arbeit mit den Jugendlichen vor Ort eingesetzt werden. Dieser Einsatz wird von dem Projekt "Freizeitenevaluation" begleitet und ausgewertet. Die Ergebnisse der Schulung und der Pilotphase fließen in die Weiterentwicklung der Schulungsmappe ein, so dass Ende des Jahres eine fachlich fundierte und praktisch erprobte Arbeitshilfe veröffentlicht werden soll. Sie wird die Grundlage für ein trägerübergreifendes Konzept der Sexualpädagogik bzw. der Prävention und Krisenintervention bei sexueller Gewalt während internationalen Begegnungen, Kinder- und Jugendreisen bilden.
Im Jahr 2008 haben junge Menschen bis zum vollendeten 26. Lebensjahr mehr als dreißig Millionen Reisen mit einer Dauer von mindestens 2 Tagen gemacht. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das BundesForum im Dezember 2009 mit Förderung aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie herausgegeben hat. Zahlen für 2009 oder gar 2010 liegen noch nicht vor.
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